Heimaterde – Letzte Ruhestätte Türkei

Die Radio-Bremen-Reportage von Orhan Çalisir und Dirk Meißner erzählt die Geschichte der letzten Reise von İlyas Bayram, Jahrgang 1938. Der Vater von fünf Söhnen und zwei Töchtern war Anfang der 1960er Jahre als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Er arbeitete als Schweißer und lebte später als Rentner abwechselnd in Oberhausen und der Türkei.
Es war sein letzter Wunsch, in Heimaterde begraben zu werden: Über 3.000 Kilometer entfernt in der Türkei, in den Bergen am Schwarzen Meer. Dort im Dorf Gümüstug südlich von Trabzon wird er seine letzte Ruhe finden. Sein ältester Sohn Ali Riza Bayram will ihn dort gemeinsam mit den Geschwistern, Angehörigen und Freunden nach traditionellem Ritual bestatten. “Er hat es sich so gewünscht. Sein Dorf war für ihn immer ein besonderer Ort”, sagt Sohn Ali Riza Bayram, der selbst noch nicht weiß, ob er in Deutschland oder auch in der Türkei begraben werden will.

Wettlauf mit der Zeit

Dass İlyas Bayram seine letzte Reise antreten kann, dafür sorgt Burhanettin Uysal. Er ist seit zehn Jahren Bestatter des türkischen Verbandes DITIB. Seine Aufgabe ist es, den Leichnam so schnell wie möglich in ein Flugzeug Richtung Heimat zu bekommen. So verlangt es der muslimische Glaube. Für Burhanettin Uysal bedeutet das einen Behörden-Marathon. Einen Wettlauf gegen die Zeit. Wenn ein Stempel fehlt, wenn eine deutsche Behörde schon geschlossen hat, geht ein ganzer Tag verloren. Für die Angehörigen ein unerträglicher Gedanke. Deutschlandweit kümmert sich ein breites Netzwerk von Bestattern darum, dass muslimische Landsleute in ihrer Heimat begraben werden können. Auf diese Weise werden jedes Jahr mehrere tausend Leichname in die Türkei transportiert.
Das Radio Bremen-Kamerateam begleitet İlyas Bayram auf seiner letzten Reise, angefangen beim Totengebet in Deutschland bis zum Begräbnis in der Türkei. Die Reportage führt von Deutschland in das türkische Bergdorf seiner Kindheit. Familie und Freunde erinnern sich an sein Leben und stellen sich auch selbst die Frage: Wo wollen wir einmal begraben werden? Wo ist unsere Heimat? In Deutschland oder der Türkei?